Guinea

    Guinea

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    Geographie

    Die Republik Guinea liegt in Westafrika an der Atlantikküste und hat
    mit 245 857 km² etwa zwei Drittel der Größe Deutschlands. Im Norden
    grenzt das Land an Senegal und Mali, im Osten an die Elfenbeinküste, im
    Süden an Liberia, im Südwesten an
    Sierra Leone, im Westen
    an den Atlantik und im Nordwesten an Guinea-Bissau.

    Guinea lässt sich in vier unterschiedliche Landschaftsräume
    gliedern. Die rund 300 km lange Küste, die durch Buchten und Inseln
    stark gegliedert ist, und die dahinter liegende Küstenebene mit den
    fruchtbaren Böden zählen zu Niederguinea. Östlich der Küstenregion
    schließt sich ein in steilen Stufen ansteigendes Tafelgebirge an (Fouta
    Djalon), das zwei Drittel der Landesfläche Guineas einnimmt und
    Mittelguinea genannt wird. Hier werden Höhen bis zu 1 500 m erreicht.
    In diesem Gebirgsland entspringen zahlreiche Flüsse (z.B. Bafing (ein
    Quellfluss des Senegal), Gambia, Tinkisso), die tiefe Täler
    eingeschnitten haben.

    Östlich des Tafelgebirgslandes erstreckt sich das hügelige
    Oberguinea (400 bis 500 m), das vom Oberlauf des Niger und seinen
    Zuflüssen durchzogen ist. Im äußersten Südosten des Landes liegt
    Waldguinea, das von zahlreichen Inselbergen wie z.B. den Nimbabergen
    überragt wird (höchster Punkt des Landes mit 1 752 m).

    Die Hauptstadt Conakry
    liegt auf einer Halbinsel an der Atlantikküste.

    Klima

    Allgemein liegt Guinea im Einflussbereich der wechselfeuchten Tropen,
    wobei sich die vier Regionen Nieder-, Mittel-, Ober- und Waldguinea
    klimatisch stark voneinander unterscheiden. Niederguinea weist
    ganzjährige konstante Temperaturen auf (27 bis 35 °C) und hat eine
    Regenzeit von April bis November (bis 4 000 mm). Im Juli und August
    treten gehäuft orkanartige Stürme auf, bei denen ein Großteil der
    Niederschläge fällt.

    Im Landesinneren (Mittelguinea) liegt die Niederschlagsmenge
    jährlich zwischen 1 300 und 1 500 mm. Die Temperaturschwankungen sind
    größer als im Küstengebiet und können im Winterhalbjahr auch unter 10
    °C fallen, auch ist die Luftfeuchtigkeit hier wesentlich niedriger.

    Im Savannengebiet von Oberguinea herrscht in den Monaten Oktober
    bis Februar durch den heißen Wüstenwind Harmattan sehr geringe
    Luftfeuchtigkeit. Die Temperaturen schwanken zwischen 18 °C und 40 °C.
    Die Niederschlagsmengen sind sehr unterschiedlich. Im äußersten
    Südosten Guineas sind die Temperaturschwankungen wieder geringer (24
    bis 28 °C). Die Regenzeit dauert acht bis zehn Monate, die jährliche
    Niederschlagsmenge liegt bei 3 000 mm.

    Flora und
    Fauna

    Im Küstenbereich finden sich große Bestände an Mangroven. Die
    Hochflächen des Tafellandes von Mittelguinea sind weitgehend gerodet:
    Wälder kommen nur noch vereinzelt vor (z.B. mit Teak- und
    Affenbrotbäumen), Graslandschaft überwiegt. Im Nordosten des Landes
    herrscht Trockensavanne vor. Die größten Waldgebiete finden sich im
    äußersten Südosten des Landes (Waldguinea), vor allem auf den
    Hochflächen der Nimbaberge. Auch hier sind aber große Teil des
    Regenwaldes abgeholzt, dennoch findet sich eine große Vielfalt an
    verschiedenen Pflanzenarten.

    Größere Säugetierarten wie z.B. Elefanten, Büffel, Löwen und
    Leoparden sind durch die Einschränkung ihres Lebensraumes inzwischen
    selten geworden in Guinea. Häufig kommen Hyänen, Paviane und Reptilien
    vor, in der Küstenregion ist besonders die Vogelwelt artenreich.

    Bevölkerung

    Rund 9,18 Millionen Menschen leben in der Republik Guinea, zwei
    Drittel von ihnen in ländlichen Gebieten. Die mit Abstand größte Stadt
    des Landes ist die Hauptstadt Conakry, hier wohnen etwa 1,87 Millionen
    Menschen. Die Besiedlungsdichte ist regional sehr unterschiedlich, am
    stärksten ist die Küstenregion besiedelt (im ganzen Land
    durchschnittlich 37 Einwohner pro Quadratkilometer).

    Mehr als 20 Ethnien leben in Guinea. Die größte
    Bevölkerungsgruppe sind die Fulbe mit gut 40 %, die überwiegend das
    Fouta-Djalon-Gebirge und die Hauptstadt Conakry bewohnen. Zweitgrößte
    Gruppe sind die Malinke (26 %, Oberguinea), Susu (11 %, Küstenregion),
    Kissi (6 %) und Kpelle (5 %, beide überwiegend Waldguinea). Weiter
    leben schätzungsweise über eine halbe Million Flüchtlinge aus den
    Nachbarstaaten Liberia und Sierra Leone in Guinea. Auch ist ein Teil
    der Menschen, die vor dem Diktator Sékou Touré aus Guinea geflüchtet
    waren, inzwischen zurückgekehrt.

    Die Amtssprache in Guinea ist Französisch, gesprochen werden
    weiter vor allem die Sprachen der Fulbe, der Malinke und der Susu. Mehr
    als 80 % der Bevölkerung sind Anhänger der sunnitischen
    Glaubensrichtung des Islam. Naturreligionen werden teilweise parallel
    praktiziert. Christen sind mit rund 8 % eine Minderheit.

    Die Lebenserwartung für die Bewohner Guineas liegt bei knapp 50
    Jahren. Das durchschnittliche Alter der Bevölkerung beträgt nur 17,7
    Jahre. Die Bevölkerung wächst jährlich um 2,0 %. Mit gut einem Drittel
    (Frauen: nur 22 %) ist die Alphabetisierungsquote extrem niedrig.

    Politisches
    System

    Gemäß der Verfassung von 2010 ist Guinea eine präsidiale Republik.
    Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident (seit Dezember 2010 Alpha
    Condé), der vom Volk für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt wird
    (einmalige Wiederwahl möglich). Der Präsident ernennt den
    Regierungschef (seit Dezember 2010 Mohamed Saïd Fofana) und die
    Mitglieder des Kabinetts.

    Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung, deren 114
    Mitglieder vom Volk für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt werden.

    Das Land ist in acht Regionen aufgeteilt.

    Wirtschaft

    Guinea gehört zu den ärmeren Ländern in Afrika, obwohl es über
    umfangreiche Ressourcen – Bodenschätze, Wasserkraft, fruchtbare Böden –
    verfügt. Über zwei Drittel der Bevölkerung müssen pro Tag von weniger
    als zwei US-Dollar leben. Nach dem Tod des Diktators Touré 1984 fand
    ein Umstrukturierungsprozess der ehemals sozialistisch orientierten
    Wirtschaft hin zu einer marktwirtschaftlichen statt. Die seit der
    Jahrtausendwende verstärkten Kämpfe entlang der Grenzen zu Sierra Leone
    und Liberia führten jedoch zu Flüchtlingsbewegungen und einem Absinken
    des Wirtschaftswachstums; die Korruption nahm überhand, die Inflation
    stieg an.

    Die Landwirtschaft erwirtschaftet nur ein knappes Viertel des
    Bruttoinlandsprodukts (BIP), beschäftigt aber über vier Fünftel der
    Erwerbstätigen. Für die Deckung des Eigenbedarfs der Bevölkerung werden
    vor allem Reis, Hirse, Mais, Süßkartoffeln und Maniok angebaut. Für den
    Export werden Kaffee, Ananas, Bananen und Ölpalmen (für die Herstellung
    von Palmfett) kultiviert. Forstwirtschaft und Fischerei spielen für den
    Export nur eine untergeordnete Rolle.

    Guinea ist einer der größten Bauxit-Exporteure der Welt, weitere
    Bodenschätze sind z.B. Eisenerz, Nickel, Uran, Gold und Diamanten. Der
    Bergbau ist für den Export der bedeutendste Wirtschaftszweig, Rohstoffe
    machen über drei Viertel des Exportvolumens aus. Die Industrie ist nur
    mäßig entwickelt und konzentriert sich auf die Verarbeitung von
    Lebensmitteln und die Aufbereitung der Bodenschätze.

    Die Hauptabnehmer für guineische Waren (Bauxit, Aluminium,
    Tonerde, Gold, Diamanten, Kaffee und Fisch) sind Frankreich, Irland,
    Spanien und USA. Importiert werden vor allem Nahrungsmittel,
    Erdölprodukte, Maschinen, Metalle, Textilien, Investitions- und
    Konsumgüter, die wichtigsten Lieferanten sind die EU-Länder, China, die
    USA und Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste).

    Es stehen rund 2 000 km befestigte Straße zur Verfügung
    (insgesamt 20 000 km). In Conakry gibt es einen internationalen
    Flughafen.

    Währung ist der Guinea-Franc (= 100 Cauris).